HOW TO HALF-MARATHON

HOW TO HALF-MARATHON

SEYCHELLES MARATHON PART 2


*Anzeige #RUNSEYCHELLES #SEYCHELLESISLAND

Klar fängt ein Video die Momente, Bilder und Farben eines Marathons ein und verdeutlicht besser, wie sowohl meine Frisur als auch meine Motivation während der 21 Kilometer beharrlich zu beginnen an Halt zu verlieren. Ich schreibe aber nach wie vor gerne und es erfüllt mich meine Gedanken, Wortfetzen und Eindrücke in Texte zu verwandeln.

Die Reise auf die Seychellen war nicht vorher groß angekündigt, da wir sozusagen die „Zusage“ erst eine Woche vor Abflug bekommen haben. Die Seychellen sind nun mal eine Insel und auf Inseln arbeitet man entspannt, was in mir etwas Ungewissheit im Hinblick auf den bevorstehenden Marathons freigesetzt hat. Training, zumindest Lauftraining, war sehr primitiv in meinen Alltag integriert. CrossFit ist grade direkt bei mir um die Ecke und das ride.berlin holt derzeit konditionell mehr heraus, als meine 8-Kilometer-ich-laufe-am-Kanal-Route, die mir schon jetzt zum Hals raus hängt. Ich liebe Berlin, vermisse aber zum Laufen meinen geliebten Wald, der daheim nur einen Kilometer von meinem Haus entfernt war. Zurück zum Thema: Ich war unvorbereitet und auch meinem quirliger 22 Kilometer Testlauf, der in meiner Story sehr unterhaltsam dargestellt wurde, war in Wirklichkeit ein kolossaler Akt. 



Mit dieser durchweg negativen Grundeinstellung (c‘est moi) ging es um 7 Uhr morgens an den Start. Die Nacht zuvor gab es 5 Stunden Schlaf. Der Nachtflug am Vorabend machte die Schlafsituation nicht besser, da ich grundsätzlich auf Nachtflügen nicht schlafe. Ein Hoch auf die Flugangst. Eine halbe Banane später holte ich um 6 Uhr in der Früh Max ab und los ging es Richtung Start. Es regnete nicht, es schüttete, während das „eco friendly marathon team“ noch eine halbe Stunde vor Start die Zeitmessung installierte und man sich zeitgleich seine Startnummer unter einem Zelt abholen konnte, das mittlerweile nicht mehr den prasselnden Regen verdrängen konnte. „God bless the rain“, schrie einige Minuten vor Start Joana, die Moderatorin, ins Mikrofon, bevor sie die Strecken (5, 10, 21, 42 km) mündlich instruierte. Hier war nichts mit Marathon-Chip, Energygels, die für alle Allergien und Unverträglichkeiten geeignet sind, Bauchtaschen und Cheering-Points. Hier auf den Seychellen gibt alle 2,5 km ein Schild, ab und zu etwas Wasser auf der Strecke und vollen Straßenverkehr. Kein Witz, keine einzige Straße der Strecke ist gesperrt oder umgeleitet, was teilweise super strapaziös ist. Die Kurven sind steil und unübersichtlich, was bedeutet, dass man sich während der Steigungen nach dem Verkehr orientieren muss. Ich orientierte mich direkt in den linken Außenspiegel eines Busfahrers mit extrovertiertem Fahrverhalten und musste in die Leitplanke ausweichen. Danach war es vorbei mit dem ersten Platz der Frauen, mein Atem wurde panisch und ich begann die Lust zu verlieren. Kurz vor dem Turning-Point (der krassesten Steigung des ganzen Laufes) ging ich einen Meter und merkte direkt, dass alles eine Option ist - nur nicht Gehen. Dort merkt man meistens erst, wie verkrampft die Beine sind und verliert schnell den Rhythmus - macht das also besser nicht! (haha). Ich gewöhnte mich an die Steigungen und versuchte mich immer bergauf an das gute Gefühl von bergab zu erinnern. Es klappte semi-optimal und ich übersah die 15 km Markierung, sodass ich dachte, dieses Rennen würde nie ein Ende nehmen. Als dann ganz plötzlich die 17,5km-Marke meinen Blickwinkel huschte, verstand ich meine Blindheit und war mir darüber bewusst, dass es nicht mehr weit ist.

Musik hatte ich übrigens keine, da Max‘ Kopfhörer zu groß für meine Ohren waren und ohnehin alles durch diesen monsunartigen Regen durchnässt worden wäre. Ich hörte also nur das gleichmäßige Platschen meiner Schritte in den Pfützen, meinen Atem und ab und an ein Auto. Wie gesagt, man gewöhnt sich dran und mir ist erneut bewusst geworden, wie die Psyche das Laufen beeinflusst. 

Im Ziel angekommen wurde mir kurz schwarz vor Augen, taumelte ins Sanitätszelt und bekam direkt einen Becher zuckersüßes Kokosnusswasser in die Hand gedrückt. Ob das jetzt aus einer echten Kokosnuss stammte bleibt fraglich. Es half mir jedoch schnell auf die Beine zu kommen. Die Stimmung im Ziel war im Gegensatz zur Strecke ein wahres Festival und die Familien, Läufer und Zuschauer feierten jeden einzelnen Teilnehmer. Besonders angenehm war die Stimmung unter den Läufern. Nicht einmal wurde ich nach der meiner Zielzeit gefragt, da die Teilnahme an sich schon für die meisten unvorstellbar ist. Im Vergleich zu den Kommentaren unter meinem Video, das direkt fragen zu meinen Durchschnittszeiten aufploppen ließ, war das wirklich eine großer Kontrast.

24.2.19-Seychellen-3.JPG



Auch wenn meine Zeit nicht wirklich gut ist, bin ich für diese regnerische, hügelige Erfahrung unheimlich dankbar und sehr stolz auf meinen Körper und mein Kreuzbein, das mich endlich wieder laufen ließ. Spaß macht so ein Lauf wirklich nie, lohnt sich aber jedes Mal, wenn man den Kopf durchs Ziel steckt. 



Die restlichen Tage auf den Seychellen blieben, bis auf den letzten, regnerisch und wechselhaft, sorgten dennoch für tollen Content. Es ist wirklich erstaunlich, wie effizient Max und ich mittlerweile arbeiten können. Ich bin wirklich kein Mensch, der sich oft auf die Schulter klopft und lobt, aber muss wirklich sagen, dass ich auf die Ergebnisse zusammen mit Max sehr stolz bin. Ich glaube auch, dass es uns beiden gut getan hat, einfach mal „frei“ und nicht werblich zu shooten, um wieder neues auszuprobieren und Motivation zu tanken. Über sowas wollen wir bald mal in einem Podcast reden, den Max sich überlegt. Alle Fragen an Kamera, Drohne, Editing und weiteres auch bitte an ihn - ich stehe da immer nur nett vor der Linse und kann euch später Lauftipps geben, sagen woher mein Bikini ist und meinen Namen in „Muren“ umwandeln lassen, haha.


Ich bin grade kurz vor der Landung in Berlin, tippe das hier zusammen und merke wieder wie sehr schmunzeln muss über die letzten Tage - dieser Job ist chronisch inkonsistent, spontan und einfach nur verrückt.



Bis bald



Maren